Eine zwölf-köpfige Delegation kam in der Woche vor Weihnachten aus St.Petersburg angereist, um sich ein Bild darüber zu verschaffen, wie in Wien mit Menschen mit intellektuellen Behinderungen umgegangen wird. Die Lebenshilfe Wien hat ein Besuchsprogramm organisiert.
Die Delegation setzte sich überwiegend aus leitenden Funktionen der Sozialverwaltung des St.Petersburger Stadtteils Kolpino zusammen. Es waren aber auch die Chef-Ärztin der „Psychoneurologischen Poliklinik“, eine Gymnasial-Lehrerin, die dankenswerterweise von Deutsch und Englisch ins Russische übersetzte, und zwei selbstbetroffene Elternvertreter dabei.
Hauptziel der interessierten russischen Gäste war es, einige beispielhafte Einrichtungen zu besuchen, mehr über die gesetzlichen Absicherungen zugunsten von Menschen mit Behinderung in Wien zu erfahren sowie die Bemühungen, die Struktur und die Erfolge von Interessensvertretern kennenzulernen.
Nachdem die Stadt Wien die offizielle Einladung ausgesprochen hatte, stellte Bernhard Schmid gemeinsam mit der Stadt Wien ein Besuchsprogramm zusammen. Vom 17. bis 19.Dezember besuchten die Gäste die Zentrale der LH Wien in der Schönbrunner Straße, ein Wohnhaus der LH Wien mit angeschlossener Senioren-Tagesgruppe (Pezzlgasse), eine Werkstatt von Jugend am Werk (mit Begrüßung durch JaW-Präsidentin Fr. Prof. Stubenvoll), das Arbeits-Integrationsprojekt Unik.at, die NUEVA-Beratungsstelle von atempo sowie eine Schwerstbehinderten-Tagesstätte von GIN.
In der Pezzlgasse in Wien 17 waren die Gäste nicht nur von der üppigen Bewirtung mit Kaffee und Kuchen sehr angetan: Wolfgang Tempfer, selbst ein Bewohner des Hauses, und Leiterin Christine Kattner führten die Gäste durchs Haus, zeigten die Räumlichkeiten und gaben einen lebhaften Einblick in den täglichen Ablauf. Ein Besuch bei der Seniorengruppe, die von Margit Schneeweisz betreut wird, ergänzte das Programm. Insgesamt neun Senioren zwischen 60 und 70 Jahren, die aus Altersgründen eine Tagesbetreuung im Wohnhaus benötigen, genießen Ihren „Ruhestand“, schon auch mit verschiedenen Aktivitäten im Haushalt und fallweisen Ausflügen, aber eben doch „gemütlicher“ als früher. (Mehr zu den Seniorengruppen der LH Wien finden Sie hier)
Aus den Gesprächen mit den russischen Gästen wurde ersichtlich, dass die Ausgrenzung von behinderten Menschen in Russland doch noch sehr stark ist. Umso erfreulicher ist es, dass der Besuch in Wien viele Anregungen für Verbesserungen bringen konnte und zugleich auch internationale „Werbung“ für die Behindertenarbeit in Wien betrieben werden konnte.
Der Studienbesuch fand im größeren Rahmen des EU-Projekts „Rehabilitation System: Services for the Disabled“ in Kooperation mit Russland statt. Das Projekt ist am 15.März 2007 gestartet und endet am 31.Dezember 2009. Auf russischer Seite ist das Ministerium für Gesundheit und Soziale Entwicklung beteiligt, aus Europa arbeitet ein Konsortium unter Führung der BMB Mott MacDonald (Holland), bei dem auch Care Österreich beteiligt ist.
20.Dezember 2007 / lhw BS



