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Bildungsstopp für Jugendliche mit Behinderung

Die Lebenshilfe fordert den gemeinsamen Unterricht für Jugendliche mit und ohne Behinderung auch in der Sekundarstufe II und verweist bei der Konferenz "Bildung für alle!" vom 10.-12.April auf erfolgreiche Schulmodelle aus Europa.

 

Das Recht auf gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder endet mit der 8. Schulstufe. Die Lebenshilfe fordert eine Fortführung bis zur 12. bzw. 13. Klasse und informiert bei der Konferenz "Europe in Action: Bildung für alle!" über positive Beispiele aus Deutschland, Kanada und Groß­britannien. Bernd Schilcher referiert über neue Strategien und Schulmodelle in Österreich, Experten sprechen über die Vision der inklusiven Pädagogik, und die erste Schülerin mit Down-Syndrom in einer österreichischen Integrationsklasse wird über ihre Erfahrungen berichten. Die Konferenz findet vom 10. bis 12. April im Kardinal König Haus in Wien statt.

Wien, 2. April 2008:

Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf stehen nach der 8. Klasse vor verschlossenen Schultüren. Denn dann endet das Recht auf  gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern. Jungen Menschen mit Behinderung werden damit Chancen auf schulische Förderung oder Qualifizierung verwehrt, die anderen Jugendlichen ohne Behinderung selbstverständlich zustehen. Diese Ungleichbehandlung schränkt die Entwicklungs­möglichkeiten der jungen Menschen enorm ein. "Eine Schule oder eine Berufsausbildung abzuschließen - das sind gerade für junge Menschen Meilensteine, die zu mehr Eigenverantwortung, Selbständigkeit  und einem positiven Selbstwertgefühl führen. Jugendliche mit intellektueller Behinderung können diese Momente nie erleben. Ihnen fehlt die gesetzliche Grundlage dafür", kritisiert  Univ.-Prof. Dr. Germain Weber, Präsident der Lebenshilfe Österreich,  die derzeitige Rechtslage. Die Lebenshilfe  fordert daher Bundesministerin Dr. Claudia Schmied auf, einen gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder bis zur 12. bzw. 13. Schulstufe gesetzlich zu verankern.

Die positiven Auswirkungen der Schulintegration werden auch seitens der Bildungsexperten bestätigt. "Der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern fördert sowohl die intellektuelle als auch die soziale und emotionale Entwicklung der Jugendlichen," ist Irene Gebhardt, Integrationslehrerin in Wr. Neustadt, überzeugt. "Vereinzelte Schulversuche in Österreich, z.B. in landwirtschaftlichen Schulen, beweisen: der gemeinsame Unterricht bringt Vorteile für alle."

Integration ist gut - Inklusion ist mehr

Positive Beispiele aus Österreich und vor allem aus Deutschland, England und anderen europäischen Staaten werden auf der Konferenz "Europe in Action: Bildung für alle!" vom 10. bis 12. April präsentiert. Die Veranstaltung findet im Kardinal König Haus in Wien statt und wird von der Lebenshilfe Österreich und Inklusion Europe organisiert. Bernd Schilcher, Ines Boban (D), Andreas Hinz (D), Gordon Porter (Kanada), Mark Vaughan (GB) und andere namhafte Bildungsexperten werden erfolgreiche Strategien und Modelle für den gemeinsamen Unterricht vorstellen. Persönliche Erfahrungsberichte aus der Schülerperspektive liefert Michaela König, die erste Schülerin mit Down-Syndrom in einer Integrationsklasse in Österreich. Die Konferenz will vor allem eines zeigen: Integration ist gut, aber greift in vielem zu kurz. Die Zukunft heißt Inklusion: ein pädagogisches Konzept für eine Gesellschaft, die allen Menschen - unabhängig von ihren speziellen Bedürfnissen - die Gelegenheit zur Teilnahme gibt. Weber: "Es wird nicht gefragt: Was braucht ein Mensch mit Behinderung, um integriert zu werden. Sondern die Frage lautet: Was braucht die Gesellschaft, um allen Menschen die Möglichkeit zur Teilhabe zu geben."

Gesetzliche Lage in Österreich:

Für die Schulstufe 1 bis 8 besteht gesetzlicher Anspruch auf gemeinsamen Unterricht. Rein gesetzlich steht es Eltern frei, Ihre Kinder bis zur 8.Schulstufe in den Schultyp ihrer Wahl zu schicken. Praktisch nehmen Allgemein­bildende Höhere Schulen nur sehr selten Kinder mit Behinderung auf.

 

2. April 2008 / Lebenshilfe Österreich, Eva Schrammel