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Das war die Tagung „Weg mit den Hindernissen“

23.9.2011 – Die Fachtagung der Lebenshilfe Wien zum Thema „Barrierefreiheit für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen am 17.9.11 in Wien fand großen Anklang bei Betroffenen und Expert/inn/en.

 

Über 90 Teilnehmer/innen fanden sich im Kardinal-König-Haus ein, darunter Mitarbeiter/innen von Organisationen, Menschen mit Beeinträchtigungen und Angehörige.

„Ich wollte schon lange aufzeigen, welche besonderen Hindernisse sich den Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen tagtäglich in den Weg stellen“, sagt Bernhard Schmid, Generalsekretär der Lebenshilfe Wien. „Oft sind es keine baulichen Hindernisse, sondern Hindernisse im Verstehen von mündlicher und schriftlicher Information.“

Ohne ständiger Begleitung durch einen Angehörigen oder einer Betreuerin bzw. einem Betreuer ist es vielen oft nicht möglich, z.B. selbständig einzukaufen, mit der Straßenbahn zu fahren, ein Museum zu besuchen oder eine Urlaubsreise zu unternehmen.

Mit Hilfe von leichter Sprache, Bildern und Symbolen, technischen Hilfsmitteln und geschultem Personal können betroffene Menschen jedoch ein selbständigeres Leben führen.

Was das Sozialministerium für mehr Barrierefreiheit tut (z.B. Schlichtungen nach dem Behindertengleichstellungsgesetz) und noch tun wird (Nationaler Aktionsplan zur Umsetzung der UN-konvention der Rechte von Menschen mit Behinderungen), legte Max Rubisch in seinem Eröffnungs-Statement dar.

Stephan Kurzenberger berichtete in seinem Leitvortrag über ein Projekt aus Deutschland, bei dem Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung mit Hilfe von Tests in der Praxis einen Kriterienkatalog für verständliche Bildzeichen, Wegweiser und Automatenbedienungen erstellt haben.

In Vorträgen und vertiefenden Workshops brachten dann Expert/inn/en den interessierten Teilnehmer/inne/n diese wichtigen Elemente von Barrierefreiheit für Menschen mit Lernschwierigkeiten näher:

Capito, Marktführer in Österreich und darüber hinaus im Übersetzen von schwierigen Texten in einfache Sprache, erklärte die Grundsätze leichter Sprache und ließ das Publikum beim Erstellen eines beispielhaften Textes mitarbeiten.

Eine Beraterin von LifeTool, selbst Mutter einer Tochter mit Beeinträchtigung, demonstrierte eindrucksvoll den großen Mehrwert von durchdachten Materialien und technischen Hilfsmitteln, um die Kommunikation für Menschen ohne eigene Sprache deutlich zu erleichtern oder überhaupt erst zu ermöglichen.

Der Mitentwickler des Piktogramm-Systems POINT zeigte – natürlich mit vielen Bildern! – wie in einem luxemburgischen Tierpark Mitarbeiter/innen mit intellektuellen Beeinträchtigungen von der Einschulung über das Orientierungssystem bis zu den Arbeitsplänen durchgängig mit Hilfe von einheitlichen Symbolen geleitet werden.

Die Gruppe EXAKT der Lebenshilfe Wien („Experten aktiv“) bot einen Workshop für Menschen mit Behinderung für den Austausch von Erfahrungen mit Hindernissen an, der auch von Angehörigen gut besucht war.

Am Nachmittag kamen in Workshops auch Vortragende aus der Wirtschaft zu Wort, bzw. nahmen sie auch viele Anregungen des Publikums wieder mit nach Hause: sei es zum barrierefreien Einkaufen (REWE), zum barrierefreien Bewegen im öffentlichen Nahverkehr (Wiener Linien), zum barrierefreien Reise und guten Umgang mit dem Gast (Wirtschaftsministerium und Wien-Tourismus) und zum barrierefreien Kulturgenuss (Hunger auf Kunst und Kultur mit dem Kulturführer „Wurlitzer“ in leichter Sprache, sowie das Bank-Austria-Kunstforum mit dem „Personal Art Assistant“, einem elektronischen Museumsführer mit Videos in Gebärdensprache).

Die Theatergruppe Delphin beeindruckte das Publikum mit einer gespielten Darstellung der Barrierefreiheit: Ein junger Mann im Rollstuhl möchte Milch kaufen, verheddert sich aber im Dickicht der großen Produktvielfalt und der komplizierten Begriffe. Zum Schluss wird er aber von verständnisvollen Mitmenschen „entwirrt“ und die Sache wird für ihn wieder klar.

Alfred Matousek von REWE brachte es als einer der Vortragenden auf den Punkt: „Unfreundliche Bedienung, schwierige Orientierung, schlechte Lesbarkeit der Produkte, diese Barrieren beim Einkaufen zu beseitigen, sind nicht nur Anliegen von Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen, sondern dienen der Zufriedenheit aller Kunden!“

23. September 2011 / lhw-bs

Mit freundlicher Unterstützung von



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Heidi Tomacek, EXAKT
 
Bernhard Schmid, Lebenshilfe Wien
 
Max Rubisch, Sozialministerium
 
Christian Bruna, Gebärdensprachdolmetscher
 
Theater Delphin
 
Stephan Kurzenberger, Lebenshilfe Baden-Württemberg
 

 

 
Karoline Krauland, Melanie Wimmer, capito
 
Romain Schoos, APEMPH Luxemburg
 
Hilde Fischer, Manfred Philippits, EXAKT
 
Ingrid Gurung, Life Tool