Nach dem erst vor kurzem erschienenen Dokumentarfilm "Ich erzähl Dir von mir" ist ab 4. Mai ein neuer Film über Menschen mit geistiger Behinderung im Wiener Kino zu sehen: ALMfilm.
ALMfilm ist ein Dokumentarfilm von Gundula Daxecker, der das Leben in einer außergewöhnichen Gemeinschaft beleuchtet. Die betreute Arbeitsstätte ALM (ein Projekt des Vereins GIN) ist der Hintergrund für die intensiven Begegnungen mit fünf Menschen.
Manuela Hauer, Mura Börekci, Julia Panholzer, Hans Hoffmann und Wolfgang Krejar - 5 Personen mit geistiger Behinderung - erzählen über Freundschaft, Liebe und Anerkennung. Der Film folgt den Jahreszeiten und zeigt die Arbeiten im Weinberg und den Alltag am Hof. Die Leute von der ALM geben dabei sprachgewaltig Einblick in ihr Denken und ihre Ansichten, Grenzen zwischen "geistig behindert" und "normal" verschwimmen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.
ALMfilm ist ein Film mit Leuten von der ALM und nicht ein Film über sie oder ihre Beeinträchtigung.
Zitate aus dem Film
"Ich lebe schon gerne! - Aber wenn was falsch bei mir ist, will ich sterben. Zum Beispiel, wenn ich wo nicht hingehen kann oder hinfliege, oder wenn ich dringend wo hingehen muss - laufen - und ich schaff`s nicht, will ich sterben." (Murat Börekci)
"Ich bin erwachsen! Ich kann nicht dauernd bei der Familie hocken! Die müssen akzeptieren, dass ich mit Freunden feiere. Ich bin 20, ich weiß, was ich mache." (Julia Panholzer)
"Wieviel Alm gibt es? Alm ist super! Super gefallen! Früher war nicht prima. Früher war nicht tüchtig. Früher war nicht super. Früher war`s nicht so super. Die Betreuer sagt, ich Hass auf mich früher. Früher war`s Hass auf mich. Die Julia lacht immer! Der Alex kann nicht gut sprechen - schwer! Und die Isabell? Was sagt die Isabell? - Löwe! - Und der Murat? Der Murat sagt - Toni! - und der Toni sagt - Hah! (lacht) - und was sagt der Hans? Der Hans sagt, ich hab verschlafen!" (Manuela Hauer)
Gundula Daxecker über ihre Arbeit
"Wichtig für das gesamte Filmprojekt ALMfilm war, dass die Leute von der ALM von Anfang an in den gesamten Prozess des Filmmachens einbezogen wurden. Denn es sollte ein Film mit den Leuten von der ALM werden, und nicht ein Film über sie.
Als wir mit den Dreharbeiten begannen, war nicht vorhersehbar, wie sie sich entwickeln würden - der Film war nicht planbar. Die Leute sollten für sich sprechen, und nicht von BetreuerInnen, Eltern oder einem Off-Kommentar erklärt werden.
Die oft langen Sprechpausen während der Interviews sind zum Teil auch im Schnitt enthalten. Es ist mir wichtig, dass man sieht, dass diese Menschen - denen man folgerichtiges Denken für gewöhnlich abspricht - denken.
ALMfilm soll Menschen mit Beeinträchtigungen ein Publikum geben, um damit gleichsam "der ganzen Welt" allgemeine und private Dinge zu erzählen. Sie vermitteln ihr Bild der Welt, ohne von einem Betreuer oder Off-Kommentar erklärt zu werden. Und sie werden verständlich für ein Publikum, das bereit ist zuzuhören. ALMfilm ist ein Beitrag, um die Kluft zwischen "normal" und "behindert" zu verkleinern. Mit ALMfilm möchte ich diesen so unterschätzten Menschen Zeit und Raum geben, und dem Publikum die Chance bieten, festgefahrene Bilder durch neue Inhalte zu verändern."
Ab 4. Mai ist ALMfilm auch im Wiener Kino: Stadkino Wien 1030; Schwarzenbergplatz 7-8 Kartenreservierung: 01/712 62 76 26. April 2007 / lhw SH |
ALM (ein Projekt von GIN) |