Zuviel Schutz und Hilfe kann leicht zur Unterforderung von behinderten Kindern führen. So wie bei jedem Kind ist auch kontrolliertes Risiko zum Wachstum erforderlich.

- Das "kontrollierte Risiko" ist besonders bei behinderten Kindern wichtig, da hier Eltern oft zu Überbehütung neigen.
In der Vergangenheit, teilweise auch heute noch, neigten Eltern und Fachleute dazu, Menschen mit geistiger Behinderung zu behüten, ihren Lebensweg möglichst stark zu ebnen, damit sie keine Hindernisse aus eigener Kraft überwinden mussten, an denen sie vielleicht scheitern konnten.
Natürlich ist das Bedürfnis nach Schutz bei Menschen mit Behinderung vielfach größer als bei anderen. Aber gleichzeitig ist es auch entwürdigend, niemals Risiko auf sich nehmen zu können, denn im Risiko ist auch die Möglichkeit zu eigener Entscheidung, zu einem kleinen bisschen Selbständigkeit enthalten.
Kein Risiko, das heisst auch: Niemals selbst entscheiden zu dürfen.
Darum haben Eltern in den Ietzten Jahren zunehmend gelernt, ihrem Kind auch ein gewisses Maß an Risiko einzuräumen, wie es in unser aller Leben enthalten ist. Dadurch erhalten sie die Chance, selbst zu entscheiden, zu entdecken und auch aus Fehlern zu lernen.
Natürlich gibt es Situationen, in denen das Risiko zu hoch, der Preis für Fehler zu gross ist.
Darum ist es wichtig abzuwägen, wann Ihr Kind durch einen Sprung ins Wasser "schwimmen oder untergehen" könnte. Solche Entscheidungen können von der ganzen Familie beraten werden, zum Beispiel, wann das Kind vielleicht allein schreien und weinen soll; wann man es allein im Zimmer lassen soll; wann ihm erlaubt wird, einen Freund ohne Begleitung im Nachbarhaus zu besuchen usw.
Später geht es vielleicht um Dinge wie: Allein Einkaufen gehen, eine Strassenbahn allein benutzen und ähnliches. Mit jedem dieser Schritte ist Risiko verbunden - aber mit jedem dieser Schritte lernt das Kind und der Heranwachsende, ein Stück mehr Verantwortung für sein Leben selbst zu tragen.
Risiko gehört zur Würde des Menschen. Auch des behinderten Menschen.

