Es ist doch normal, anders zu sein | 1 2 |
So viele Menschen, so viele Unterschiede. Von Haarfarbe über Aussehen bis hin zu Lebensgewohnheiten: Es ist ziemlich normal, anders zu sein. Trotz Unterschiedlichkeit verbindet uns aber der Wunsch nach einem erfüllten Leben. Warum sollte das anders sein, nur weil jemand behindert ist?

In der Arbeit für Menschen mit geistiger Behinderung hat sich ein vernünftiges Prinzip durchgesetzt: Das "Normalisierungsprinzip". Es bedeutet, dass sich die notwendige Unterstützung so organisieren muss, dass die betreffenden Personen ein weitgehend normales Leben führen können. "Normal" heißt: In der Bandbreite dessen, wie wir uns wünschen unser Leben gestalten zu können. Und wer möchte schon freiwillig in einer großen Anstalt leben oder nicht selbst bestimmen können, wann er oder sie abends zu Bett geht, mit wem man zusammenlebt oder was man am nächsten Wochenende macht?
Normale Lebensumstände sind eine Sache des Hausverstandes und leicht anhand eigener Vorstellungen vom Alltag abzuchecken. In der Praxis bedeutet das:
- Ein Leben mit der eigenen Familie, oder mit Freunden, oder einem Partner,
- einen Wohnraum, dessen Privatsphäre respektiert wird, den man selbst gestalten kann,
- Arbeit oder Beschäftigung, mit der man in Summe zufrieden sein kann und die sinnvoll ist,
- die Möglichkeit zur Freizeitgestaltung im Rahmen des reichhaltigen Angebots unserer "Freizeitgesellschaft",
- kurzum: ein Leben inmitten und nicht am Rand der Gesellschaft.
Diese Gedanken gelten für alle Lebensbereiche, und sind unabhängig davon, wie schwer jemand behindert ist oder wie viel Betreuung nötig ist. Selbst wenn jemand aufgrund einer schweren Behinderung viel Pflege braucht, geht es noch immer darum, die Wünsche der betreffenden Person herauszufinden und zu respektieren. Häufig ist es unsere Unfähigkeit, richtig zu verstehen -- und nicht die Unfähigkeit behinderter Personen, sich auszudrücken.
Hinter dem Normalisierungsprinzip steht kein Zwang zum "So- und- nicht – anders –Sein“ oder zur Konformität. Normalität hat ein breites Spektrum an Entfaltungsraum und individuellem Geschmack, vorausgesetzt sie ist selbstgewählt und nicht auferlegt.
Der Maßstab ist einfach: Kann ich mir vorstellen, in dieser Situation selbst so leben zu wollen?
Normalisierungsprinzip von der "Kleinzelle Familie" bis...
Aber bei aller notwendigen Sorge für ihr Kind ist es wichtig, dass die Familie ihr Leben nicht uneingeschränkt an dessen Behinderung orientiert.
Nur scheinbar widersprechen einander das Prinzip der Normalisierung und das Schutzprinzip. Denn unsere Gesellschaftsordnung geht davon aus, dass in einem gewissen Ausmaß jeder Mensch aus eigenem Antrieb und in eigener Verantwortung auf sich schauen kann, allenfalls selbst notwendige Hilfe - etwa einen Anwalt - mobilisiert.
Eine geistige Behinderung schränkt oft das Maß an möglichem Selbstschutz ein; bei Bedarf muss darum Schutz durch die Gemeinschaft kompensatorisch mobilisiert werden. Insbesondere Sachwalterrecht und reformiertes Unterbringungsrecht sind ein bedeutender Fortschritt beim Persönlichkeitsschutz geistig behinderter Menschen. Aber für den notwendigen weiteren Ausbau eines Netzes an Sachwaltervereinen mit qualifiziertem Personal, sowie die weitere Qualifikation der Pflegschaftsrichter ist Geld aus dem Staatshaushalt notwendig.
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