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Hannes Schmidt, Präsident der Lebenshilfe Österreich, 1925 – 2001

Im Alter von 76 Jahren ist Hannes Schmidt, der Gründer der Lebenshilfe Salzburg und langjährige Präsident der Lebenshilfe Österreich, Anfang November gestorben. Die Lebenshilfe trauert um einen engagierten und tatkräftigen Freund von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung und ihrer Familien.

 

Hannes Schmidt setzte sich sein Leben lang für Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Angehörigen ein. Als Lehrer und Sonderschulinspektor lernte er die Nöte und Sorgen der Eltern von behinderten Kindern kennen und machte in der Öffentlichkeit auf den Mangel an Angeboten für Menschen mit Behinderung nach der Schulzeit aufmerksam. Schließlich handelte er entsprechend seiner sozialen und pädagogischen Einstellung: Gemeinsam mit Eltern und Fachleuten gründete er 1967 in Salzburg die "Lebenshilfe für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung", deren Obmann er bis 1991 war.

In dieser Zeit wurden dank seines unermüdlichen persönlichen Engagements Werkstätten, Wohnhäuser, Angebote für Kinder und Therapiemöglichkeiten im ganzen Bundesland Salzburg geschaffen. Damit war der Grundstein für den Ausbau weiterer notwendiger Angebote gelegt. "Wir waren lästig, aber erfolgreich lästig", beschrieb er selbst die Anfangsjahre.

Hannes Schmidt bei der Lebenshilfe Österreich

In den Jahren 1974 bis 1989 leitete Hannes Schmidt als Präsident die Lebenshilfe Österreich. Sein erstes Ziel war es, die Lebenshilfe Österreich als starke gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Interessenvertretung zu verankern. Mit der Aktion "Recht auf Bildung" wurden Öffentlichkeit und Unterrichtsministerium darauf aufmerksam gemacht, dass etwa 900 Kinder in ganz Österreich ohne schulische Förderung waren. In der Folge wurden die Begriffe der Schulunfähigkeit und Bildungsunfähigkeit aus dem Gesetz eliminiert. Das erste Unterrichtsmaterial für behinderte Kinder in Sonderschulen im Rahmen der Schulbuchaktion und die Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen waren weitere Erfolge. Im Jahr 1979 wurde die Lebenshilfe im Familienbericht der Bundesregierung als eine der vier großen Familienorganisationen Österreichs erstmals anerkannt. 1984 trat das "Bundesgesetz über die Sachwalterschaft für behinderte Personen" in Kraft, ebenfalls ein Erfolg, an dem Hannes Schmidt wesentlich beteiligt war.

 

Hannes Schmidt forcierte zusammen mit dem Geschäftsführer und späteren Präsidenten von Inclusion International, Walter Eigner, auch die internationale Tätigkeit der Lebenshilfe. Im Jahr 1978 war die Lebenshilfe Österreich Gastgeber des 7. Internationalen Weltkongresses von Inclusion International (damals noch Internationale Liga von Vereinigungen für Menschen mit geistiger Behinderung) in Wien. Alt-Bundespräsident Rudolf Kirchschläger, der diesen Kongress eröffnete, schrieb später in einem Buch über Hannes Schmidt: "Auch das beste Buch kann dem Lebenswerk von Hannes Schmidt nicht gerecht werden. Ich bewundere ihn."

 


Hannes Schmidt war Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Salzburg und Bürger der Stadt Salzburg. Die Lebenshilfe Österreich wird ihn in Dankbarkeit als großes Vorbild in Erinnerung halten.

lhw 15-11-01