Besser als viele Ratschläge gibt wahrscheinlich dieser Brief einer Mutter eines dreieinhalbjährigen Mädchens wieder, wie der Alltag aussehen kann.

- "Sicherlich warten in der Zukunft noch viele ungelöste Aufgaben auf uns. Wenn wir eine nach der anderen anpacken, kommen sie uns nicht so überwältigend vor."
"Martha ist jetzt dreieinhalb. Sie versteht bereits viele Dinge. Sie kennt alle ihre Körperteile, kann alle Familienmitglieder beim Namen rufen und sie hat eine Lieblingspuppe, die auch gefüttert werden muss und die sie überallhin mitnimmt. Ihre Liebe und Zuneigung für uns alle ist einfach überwältigend. Jede Woche lernt sie neue Töne dazu, die sicherlich eines Tages mit Liebe und viel Übung zu neuen Wörtern werden.
Es macht ihr anscheinend großen Spaß, sich an ihrem eigenen herzlichen Lachen zu freuen und uns zum Lachen zu bringen. Wenn ich sie frage, ob sie ein braves Mädchen ist, kichert sie und schüttelt ihren Kopf - und dann gibt sie mir einen herzhaften Kuss!
Obwohl die Vorteile, die Frühförderung mit einem Kind mit geistiger Behinderung bringen, ganz offensichtlich sind, lernt Martha sehr gut, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Sie verbringt viele Augenblicke damit, allen möglichen Arten von Musik zuzuhören und bei sehr rhythmischer Musik auch selbst mitzutanzen. Grosse Freude hat sie, wenn sie auf ihrer Trommel oder ihrem Xylophon spielen darf.
An einer Wand ihres Kinderzimmers haben wir einen großen Spiegel aufgehängt und sie kann gar nicht genug davon bekommen, wenn sie vor dem Spiegel sitzt oder steht, tanzt, gestikuliert und uns zu verstehen gibt, dass wir ihr ihre Lieblingspuppe bringen sollen. Sehr hilfreich ist für sie auch ihr Schreibtisch und Sessel in passender Grösse. Ihr Vater bastelte ihr einen Rand rund um den alten Tisch, damit sie nicht durch ständig hinunterfallendes Spielzeug frustriert wird. An diesem Tisch kann sie kurze Zeit sitzen und mit Holzperlen und Holzklötzchen spielen. Leere Spulen und Holzblöckchen rollen dann mit lustigen Geräuschen herum, wenn wir Hineingeben und Herausnehmen spielen. Ein Gummiball und Luftballons ergeben immer lustige Spiele. Am ruhigsten ist sie, wenn ich ihr vorlese. Dann sitzen wir Seite an Seite in unserem großen Schaukelstuhl. Sie reagiert wunderbar auf die einfachen Bilder in ihrem Buch, ahmt Tiergeräusche nach, riecht an den Blumen und erkennt Dinge, mit denen sie bereits vertraut ist. Wie alle kleinen Mädchen mag sie Süßigkeiten, Eis, hübsche Kleider, Schaukeln, Vati - und würde wohl viel lieber nicht ihr Gesicht waschen und zu Bett gehen. Nach und nach behandle ich Martha in meinen Gedanken so wie jedes andere Kind. Ich könnte sie nicht lieber haben als jetzt und die Liebe, die sie uns zurückschenkt, ist grenzenlos. Sicherlich warten in der Zukunft noch viele ungelöste Aufgaben auf uns. Wenn wir eine nach der anderen anpacken, kommen sie uns nicht so überwältigend vor. Zum Glück hat uns die Natur mit einem gesegneten Optimismus ausgestattet. Mehr als je zuvor glaube ich ganz fest daran, obwohl ich manchmal noch traurig bin über ihre begrenzten Fähigkeiten, dass Marthas Geburt für uns Anlass für viel Gutes und Glück war. Ich würde sie um nichts in der Welt gegen ein anderes Kind eintauschen." Von der Mutter eines Mädchens mit geistiger Behinderung |
"Obwohl ich manchmal noch traurig bin über ihre begrenzten Fähigkeiten, glaube ich fest daran, dass Marthas Geburt für uns Anlass für viel Gutes und Glück war." |


