"Mit der ersten Generation von Menschen mit geistiger Behinderung, die alt werden durften, kommt eine neue Herausforderung auf die Pflege zu", schreibt Inge Baldinger in den Salzburger Nachrichten.
"Eines Tages hat er aufgehört zu schreien. Einfach so. Da war Anton B. 67 Jahre alt - und womöglich war es der Moment, in dem er sich zum ersten Mal in seinem Leben zu Hause gefühlt hat. Zu Hause ist Herr B. in Wien-Favoriten, in einer der zwei vom 'Haus der Barmherzigkeit‘ betreuten Wohngemeinschaften für behinderte Menschen in der Maria-Rekker-Straße. Hier hat Herr B. sprechen gelernt. Unterdessen kann er einiges mitteilen. 'Lieb haben' zum Beispiel oder 'allein sein'; 'tanzen', 'essen' und 'trinken'; 'ja' und 'nein' ..."
"Herr B. ist in gewisser Weise ein Trendsetter. Nicht, weil er gerne tanzt und malt. Sondern weil er der Vorbote eines Phänomens ist, das es bisher nicht gab und das nun massiv auf die Gesellschaft zukommt: Herr B. gehört zur ersten Generation von Menschen mit Behinderungen, die alt werden durften. Von den 1700 in ganz Wien in Wohngemeinschaften lebenden geistig (und oft auch körperlich) Behinderten sind derzeit nur 15 über 70 Jahre alt - aber schon 170 zwischen 60 und 70."
In einer bemerkenswerten Reportage hat sich Inge Baldinger von den Salzburger Nachrichten auf Lokalaugenschein in einer Wohngemeinschaft für ältere Menschen mit geistiger Behinderung begeben. Ihr ausführlicher, einfühlsamer Bericht in den SN bringt einem allgemeinen Publikum sehr anschaulich das Thema Alter und Behinderung nahe und zeigt, wie familienähnliche Wohngemeinschaften eine exzellente Versorgung und Förderung bieten können. |
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