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Preisgekrönte Sonderschulen

Zwei Neubauten für Sonderschulen wurden mit dem „Bauherrenpreis 2007“ ausgezeichnet. Offenbar wollen die Länder Niederösterreich und Tirol dem Auslaufmodell Sonderschule noch letzte Denkmäler setzen. Ein Kommentar von Helmut Spudich.

 
Architekturkritik im Standard
"Bauherrenpreis" für Sonderschulen in Schwechat und Mariatal, Tirol, samt Lobeshymne im "Standard".
 

Glückliche Kinder in einem Refugium, das sie vor dem Unbill einer harten Welt schützt: Das sind sie wohl, die Kinder und Jugendliche, die in den preisgekrönten neuen Sonderschulbauten von Schwechat in Niederösterreich und im Mariatal in Tirol ihre Schuljahre verbringen dürfen. Gleich zwei Sonderschulprojekte erhielten im Jahr 2007 den „Bauherrenpreis 2007“ für ihre gelungene Architektur.

Und wie nicht anders zu erwarten, gerät der Architekturkritiker (im Standard vom 10. November 2007) geradezu ins Schwärmen: Schuldirektorinnen, für die Schüler alles liegen und stehen lassen um sie beim Betreten eines Raumes zu umarmen; ein Mädchen, das „weinen muss, wenn nach neun Schulstunden der Unterricht zu Ende ist und der Heimweg bevorsteht“, „eine Schule wie im Schlaraffenland – ja gibt’s denn das?“ Es gibt es, weiß die Architekturkritik, denn die „Sonderschule in Schwechat ist in jeder Hinsicht ein Sonderfall“, wo Kinder auch am Wochenende zur Schule gehen wollen.

Denkmäler für Auslaufmodelle
Natürlich ist es wunderbar, wenn Kindern und Jugendlichen architektonisch gut gestaltete Schulen zur Verfügung stehen, in denen sich Lernen und Leben gut entwickeln können. Aber es entbehrt nicht einer gewissen Infamie, wenn ausgerechnet die Schulbehörden zweiter Bundesländer mit einer nachweislichen Geschichte der Behinderung des gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne Behinderung der Sonderschule architektonische Denkmäler setzen, denen noch in einem halben Jahrhundert Tribut zu zollen sein wird.

Sonderschulen sind Auslaufmodelle. Eltern haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten für den gemeinsamen Unterricht ihrer behinderten Kinder mit nicht behinderten Kindern votiert: Weil nur in diesen Lernumgebungen die „Vorbereitung auf das spätere Leben“ möglich ist, die die Hauptaufgabe der Schule ist. Eine Vorbereitung für beide Teile, für Kinder mit wie ohne Behinderung.

Vielfach wird aber den allgemeinen Schulen die nötige Unterstützung und Struktur untersagt, die sie brauchen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden: Es fehlt oft an baulichen Maßnahmen, zusätzlichem Raum für kleinere Integrationsklassen, allenfalls Räumen, die für Therapien oder Förderung nötig sind. Statt dessen werden neue Sonderschulen gebaut um die Botschaft zu transportieren: Wie viel besser ist doch die Aussonderung für Kinder mit besonderen Bedürfnissen.

Die teure PR-Investition hat sich offenbar gelohnt, siehe Bericht. Wie die Geschichte weiter geht zeigen andere Baudenkmäler: In Wien auf der Baumgartner Höhe steht ein wunderbarer Jugendstilbau von Otto Wagner. Es war seinerzeit eine Einrichtung auf der Höhe ihrer Zeit, als sie entworfen und gebaut wurde. Und es ist die Qualität ihrer Architektur, die es unmöglich macht, diese heute völlig unzeitgemäße Anstalt endlich zu schließen.

LHW / spu – 12-11-07