Vieles im Bereich Schulintegration wurde von engagierten Eltern und Fachleuten erkämpft. Und immer noch muss für weitere Fortschritte gekämpft werden. Hier ein Überblick über aktuelle Initiativen.
Sekundarstufe II
Eine der Hauptforderungen vieler Eltern-Initiativen ist es seit Jahren, den Weg des gemeinsamen Schulunterrichts für Kinder mit und ohne Behinderung nicht nach der 8.Schulstufe enden zu lassen, sondern den rechtlichen Anspruch auf integrativen Unterricht auch auf die sogenannte Sekundarstufe II (Berufsschulen, berufsbildende mittlere und höhere Schulen, Oberstufe AHS) sowie auf die Polytechnischen Schulen auszudehnen. Insbesondere am Übergang von der Schulausbildung ins Berufsleben werden Menschen mit Behinderung durch fehlende gesetzliche Bestimmungen und ungenügenden Bildungsangeboten massiv benachteiligt. Als Spitze aller Eltern-Bemühungen wurden 5500 Unterschriften für diese Forderung gesammelt und am 23.2.2005 über den Verein Integration:Österreich an den Präsidenten des Nationalrats, Dr. Andreas Kohl, übergeben (25/BI).
Unterstützung bekam diese Initiative von parlamentarischer Seite durch einen Entschließungsantrag seitens der Grünen am 25.1.2006 mit der gleichlautenden Forderung (772/A(E)
Während der Antrag der Grünen nach mehrmaliger Vertagung noch einer Behandlung im Unterrichtsausschuss harrt, wurde die Bürgerinitiative bereits am 21.6.2006 im Nationalrat ohne weitere Maßnahmen „zur Kenntnis genommen“. Somit bleibt die Ausweitung der Schulintegration nach der 8.Schulstufe weiterhin in weiter Ferne, noch dazu, wo der wichtigste Mitstreiter Integration :Österreich mit Konkurs von der Bildfläche verschwunden ist.
Inklusive Pädagogik
Eine in seiner Gesamtheit sehr anspruchsvolle und begrüßenswerte Initiative geht von der SPÖ (Mag. Christine Lapp) aus mit dem Ziel verschiedener Gesetzesverbesserungen zur „Inklusiven Pädagogik an Schulen“ (826/A(E).
Dieser noch junge Antrag (27.5.2006) wurde aber mittlerweile ebenfalls bereits durch Kenntnisnahme im Nationalrat am 21.6.2006 seinem (vorläufigen?) Ende zugeführt.
Studie
Einzig dem Antrag der ÖVP (Dr. Franz-Joseph Huainigg) vom 29.3.2006 (814/A(E) war Erfolg beschieden: mit den Stimmen der Koalition wurde am 21.6.2006 im Nationalrat der Antrag zur Beauftragung einer Studie „zur Erhebung des IST-Zustandes der Integration an Schulen betreff Qualitätssicherung und Weiterentwicklung“ beschlossen. Hauptkritikpunkt der Opposition, die eine Verschleppung der Problematik befürchtet, war hierbei der Umstand, das erst vor kurzem eine Studie im Auftrag des Unterrichtsministeriums fertiggestellt wurde, die ähnliche Fragestellungen zum Inhalt hatte.
Weitere Anträge
Zwei weitere Anliegen zum Thema Schulintegration, beide eingebracht von den Grünen, wurden bisher mehrmals im Unterrichtsausschuß des Nationalrats vertagt, sind aber weiterhin auf der Agenda: zum einen ein Antrag auf „umgekehrte Integration von Kindern ohne sonderpädagogischen Förderbedarf in sonderpädagogischen Zentren“ (746/A(E), zum anderen ein Antrag zur Verbesserung der „Nachmittagsbetreuung für Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf“ (528/A(E)
Fazit
Es lassen sich zum Teil quer durch die Parteienlandschaft einzelne Unterstützer des integrativen bzw. inklusiven Schulkonzepts ausfindig machen, jedoch scheitern bislang alle Initiativen am Unterrichtsressort der derzeitigen Regierung. Es werden somit weiterhin große Anstrengungen von engagierten Eltern, LehrerInnen und Interessensvertretungen vonnöten sein, um das Bestehende abzusichern und Weiterentwicklungen durchzusetzen.
30.Juni 2006 / lhw BS