Bergwandern, Einkaufen gehen, Radlfahren mit dem Bruder: Ihre Familie steht im Mittelpunkt von Elisabeth Paulas Alltag. Sie bereitet sich auf das Leben in einer eigenen Wohnung vor.
Einiges hat sich im Alltag von Elisabeth Paula geändert. Noch vor einigen Jahren wohnte die 47jährige bei ihren Eltern, bis sie in eine Wohngemeinschaft der Lebenshilfe Wien im 11. Wiener Gemeindebezirk übersiedelte. Dort hatte sie ein eigenes Zimmer, konnte ihren Wohnraum selbst gestalten und Abende oder Wochenenden mit ihrem Freund Martin verbringen. Aber eigentlich sah Frau Paula ihr neues Zuhause nur als eine Zwischenstation an, denn sie wollte "eine eigene Wohnung".
Um sich auf diesen Schritt vorzubereiten, trainierte Elisabeth Paula in einem Kurs in ihrer Werkstatt alles, was für die selbständige Organisation des Alltags nötig ist: Einkauf, Haushaltsführung vom Geschirr- und Wäschewaschen bis zu Kochen und Aufräumen, eigenes Geld verwalten. Möglicherweise hat der Kurs noch einen weiteren Nutzen neben der Führung der eigenen Wohnung: Eine spätere Möglichkeit, Arbeit in Haushaltsbereichen zu übernehmen.
Mittlerweile wohnt sie, gemeinsam mit einer Freundin, in einer teilbetreuten Wohnung in Meidling. Und ihr Ziel, „die eigene Wohnung“ ist in greifbare Nähe gerückt.
Mit dem Bruder wandern Bruder Hannes, von dem Elisabeth Paula spricht, lebt in der Schweiz, wo es auch Frau Paula im Sommer gerne hintreibt. "Mit dem Bähnle" fahren sie dann in die nahe gelegenen Berge zum Wandern. Zu festlichen Anlässen wie Weihnachten kommt die große Familie mit vier Geschwistern und Neffen und Nichten immer noch meist bei den Eltern zusammen. Dann wird mit dem Vater gekocht, "die Mama lass ma dann gar net eine in die Küche". Mancher Sonntag wird radlfahrend am ausgeborgtem Tandem im Prater verbracht, mit Michael, dem Zwillingsbruder von Hannes in Wien. Wenn Zeit ist, geht Elisabeth Paula mit ihrem Bruder gerne einkaufen, "ohne Kinder", oder "gute essen". Ansonsten verläuft Frau Paulas Alltag in ruhigen, geordneten Bahnen: Um sechs Uhr früh läutet der Wecker, werktags arbeitet sie in einer Werkstatt der Lebenshilfe, so mancher Abend wird mit Freund Martin vor dem Fernseher verbracht. Serien sind ihr Lieblingsprogramm, "aber nur keinen Krimi, da schlaff ich dann nicht ein".
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Eine geistige Behinderung macht zwar lebensbegleitende Betreuung in der einen oder anderen Form nötig. Aber sie ändert nichts daran, dass Menschen ein möglichst normales Leben führen wollen: Dieses leicht verständliche Konzept, dem sich Hilfe unterordnen muss, wird "Normalisierungsprinzip" genannt. |